„Tanz auf dem Eisberg. Das nördlichste Musikfestival der Welt“ in 3sat / Wie viel Tourismus verträgt Spitzbergen?

Mainz (ots) –

Samstag, 18. April 2020, 19.20 Uhr Erstausstrahlung

Eisbären, Nordlicht, Arktisforschung – damit lockt Spitzbergen Reisende an. Seit einigen Jahren kommt die Kultur dazu. Aber wie viel Tourismus verträgt der vom Klimawandel bedrohte Ort? 3sat zeigt die Dokumentation von Stefan Braunshausen „Tanz auf dem Eisberg. Das nördlichste Musikfestival der Welt“ am Samstag, 18. April 2020, 19.20 Uhr in Erstausstrahlung.

Das „Arctic Chamber Music Festival“ bietet eine Woche lang klassische Werke auf Gletschern und in stillgelegten Kohleminen. Rechtfertigt das beeindruckende Kunsterlebnis die desaströse Klimabilanz eines solchen Festivals? Arktis-Reisen sind gerade das Ding für Menschen, die schon alles andere gemacht haben. Die Zahl der Abenteurer hat sich innerhalb eines Jahrzehnts fast verdoppelt – auf knapp 70.000. Die meisten wollen die spektakuläre Landschaft erleben, seit drei Jahren kommen aber auch Festivalfans auf ihre Kosten. Dafür werden Solisten, Musiker und auch das Publikum von weither eingeflogen. Sollte man zum Schutz des Klimas auf solche Festivals nicht lieber verzichten?

Diese Frage stellen sich die Macher des „Arctic Chamber Music Festival“ und erörtern vor Ort mit Wissenschaftlern, wie nachhaltiger Tourismus aussehen könnte und müsste. Das Thema berührt hier alle: 2015 gab es Tote, als eine Schneelawine mehrere Häuser und Menschen unter sich begrub. Durch das Tauwetter verwandelten sich die aufgeweichten Erdmassen in eine tödliche Lawine, und die traditionell auf Holzpfählen errichteten Häuser verloren ihren festen Grund.

Eva Grøndal wurde in ihrem Haus 30 Meter den Berg heruntergespült. Dass sie noch lebt, ist ein Wunder. Während des Festivals ist sie eine der freiwilligen Helferinnen und kümmert sich um die Gäste. Doch schon seit vielen Jahrzehnten dokumentiert sie auf Fotos die dramatischen Veränderungen dieses Ortes. Die Temperaturen steigen hier fast dreimal so schnell wie im Rest der Welt, erklärt Kim Holmén, Direktor vom North Polare Institute. Seit mehr als 30 Jahren forscht der Wissenschaftler zum Klimawandel. Mit seinem Motorschlitten zeigt er Orte, an denen die Veränderungen am eindrucksvollsten zu sehen sind.

Der Permafrostboden taut und bringt neue Bodenschätze ans Licht. Geologen vermuten, dass sich ein Drittel der noch nicht entdeckten Gasreserven unter Spitzbergen befindet; in Gebieten, die bisher wegen der schwierigen klimatischen Bedingungen unzugänglich waren. Aber auch neue Seewege werden durch das schmelzende Eis schiffbar – neue Handelswege, die auch bei China und Russland große Begehrlichkeiten wecken. 100 Jahre nach dem Abschluss des Spitzbergenvertrags zur friedlichen Nutzung der Inselgruppe ändert sich damit auch das politische Klima vor Ort. Russland will schon lange mehr Mitspracherecht in der Region. Das sorgt immer wieder für Konflikte.

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